Digitale Steirische Harmonika

Digitale Steirische Harmonika

Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer digitalen Steirischen Harmonika für die Firma Kärnterland.

Die Familie Schwarz stellt seit Jahrzehnten klassische Steirische Harmonikas her. 1986 präsentierte sie zusätzlich zum bestehenden analogen Sortiment die erste MIDI Harmonika. Bei der MIDI-Harmonika wird der Klang nicht wie beim analogen Instrument durch das Schwingen der Stimmzungen erzeugt, sondern durch das Abspielen von aufgenommenen “Samples”.

Für Anwendungen der digitalen Harmonika stellen sich drei Bereiche als besonders vielversprechend heraus: das Lernen des Instruments, Studioaufnahmen und Live-Auftritte. Gemeinsam fordern sie eine leichte, kleine Harmonika, die individualisierbar ist und hohe Bewegungsfreiheit bietet. Gleichzeitig muss der Klang konstante Spitzenqualität aufweisen.

Um das Spielgefühl einer Steirischen Harmonika zu erhalten, wurde die Harmonika zuerst auf die notwendigen Komponenten reduziert: Gehäuse, Knöpfe, Balg und Gurt. Zusätzlich sind für die MIDI-Harmonika Elektronik und dazugehörige Lautsprecher nötig.
Mit einem simplen Mock-Up wurden die Maße der digitalen Harmonika entwickelt. Das Ergebnis ist eine Volumensreduzierung durch ein kompaktere Bauweise und eine drastische Verringerung des Gewichts. Der Schwerpunkt und das Bassgriffbrett rücken aufgrund er geringeren Maße näher zum Körper, was zu einer Verbesserung der ergonomischen Eigenschaften führt: Gespielt wird in einer neutralen Position, was das Auftreten von Schulter- und Rückenschmerzen verhindert.

Das neu konzipierte Gurtsystem trennt Gurt und Harmonika: Zuerst wird der Gurt angelegt, brustseitig verschlossen, dann wird die Harmonika eingeklinkt. Der magnetmechanische Fidlock-Verschluss sorgt für eine verlässliche Befestigung und ist einfach wieder zu lösen.
Im Bruststück des Gurts befindet sich außerdem der Akku für die digitale Harmonika. Das sorgt für einen körpernahen Schwerpunkt des verhältnismäßig schweren Bauteils. Eine Gurtschlaufe seitlich am Gurt sorgt bei Live-Auftritten für eine sichere Kabelführung nach hinten, um die Stolpergefahr zu vermeiden.

Das verbaute Lautsprechersystem sorgt für eine hochwertige Klangqualität und ist trotz seiner kompakten Bauweise schalldruckstark.

Der Balg der digitalen Harmonika ist hohl und nach zwei Seiten hin offen. Sein doppelwandiger Aufbau gewährleistet die für den Erhalt des Spielgefühls nötige Luftbewegung.

Beim Öffnen und Schließen des Balgs wird die Luft in der Balgwand bewegt und durch einen Luftdrucksensor gemessen. Durch Messen der Luftstromrichtung wird die Digitalisierung der Wechseltönigkeit gewährleistet. Ein elektronisches Ventil erlaubt es, die Leichtgängigkeit des Balgs einzustellen. Im doppelwandigen Balg befindet sich die Kabelführung zwischen den beiden Gehäuseseiten.

Das Griffbrett stellt das Kontrollzentrum der Harmonika dar: Mit den Funktionstasten, lässt sich die Software über das Display steuern. Farbkodierte Drehregler bieten hier hohe Flexibilität für verschiedene Steueraufgaben. Die modulare Tastatur kann als ganzes ausgetauscht und so an verschiedene Einsatzszenarien angepasst werden. So gibt es eine klassische Holzvariante, ein mit Leuchtringen versehenes Lerngriffbrett oder ein Griffbrett für den Live Einsatz, dessen Knöpfe mittels DMX in die Lichtshow miteingebunden werden können. Zusätzlich lässt sich das gesamte Griffbrett neigen und so auf persönliche Vorlieben abstimmen.

Die digitale Harmonika ist ein kompaktes, sehr leichtes Instrument mit großer Varianz und Individualisierbarkeit in seinen digitalen Features. Die Kombination von technologischen Komponenten und Echtholz-Furnier vermittelt Modernität und Wärme.
Die digitale Harmonika ist ein Pionierprojekt und hebt sich stark von den klassischen, analogen Instrumenten ab.

 
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Erwin Klinglhuber

Industrial Design
Universität für künstlerische und
industrielle Gestaltung Linz


Projektbetreuung:
Univ.-Prof. Mag. Mario Zeppetzauer
Univ.-Prof. Mag. Elke Bachlmair

Bilder:
Erwin Klinglhuber

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